Podiumsdiskussion: Gleichberechtigung um jeden Preis? Obsorgerechte, Gewalt und feministische Kritik
Podiumsdiskussion mit Mag.a Sonja Aziz und Mag.a Dr.in Mariam Irene Tazi-Preve, Moderation: Andrea Czak, MA | Samstag, 10. Oktober 2026 | 18 – 20 Uhr
Veranstaltungsort: EGA, Windmühlgasse 26, 1060 Wien
Für Kinderbetreuung ab 3 Jahren ist gesorgt. Bitte gib die Anzahl und das Alter der Kind(er) bei Deiner Reservierung an.
Das Buch „Sorgerecht und väterliche Gewalt“ von Ilka Schnaars stellt eine unbequeme, aber notwendige Frage: Was passiert, wenn der Anspruch auf „Gleichwertigkeit“ von Elternschaft dort durchgesetzt wird, wo Gewalt im Spiel ist?
Es zeigt anhand rechtlicher Entwicklungen und Entscheidungen rund um das Bundesverfassungsgericht in Deutschland, dass Mütter in Obsorgeverfahren zunehmend strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt sind, selbst dann, wenn sie und ihre Kinder von Gewalt betroffen sind. In Österreich ist die Situation sehr ähnlich.
Im Zentrum steht eine fundamentale Kritik, dass die rechtliche Gleichstellung von Mutter und Vater oft als neutral dargestellt wird, aber in der Praxis dazu führen kann, dass Gewaltverhältnisse ausgeblendet oder relativiert werden. Damit wird nicht nur individuelles Leid unsichtbar gemacht, sondern auch eine Form struktureller und institutioneller Gewalt reproduziert.
Diese Perspektive knüpft an feministische Analysen an, wie sie etwa von Mariam Tazi-Preve formuliert werden. Sie zeigt auf, dass Familie kein neutraler Raum ist, sondern ein politischer Ort, an dem Machtverhältnisse wirken. Gewalt gegen Frauen und Kinder ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen und muss auch als solcher benannt werden.
Aus dieser Sicht wird deutlich, wenn Institutionen wie Familiengerichte, Gutachter*innen, Mitarbeiter*innen von Familiengerichtshilfe und Kinder- und Jugendhilfe Gewalt nicht konsequent als Machtverhältnis erkennen, sondern in „Konflikte zwischen Eltern“ übersetzen, verschiebt sich die Verantwortung. Betroffene Mütter müssen sich rechtfertigen, während Gewalt entpolitisiert wird.
Auch aktuelle Analysen zeigen, dass Mütter vor Gericht zunehmend unter Druck geraten und häufiger die Obsorge verlieren, während ihre Aussagen über erlebte Gewalt infrage gestellt werden.
Genau hier setzt auch die Perspektive von FEM.A an. In unserer Kampagne gegen Gewalt wird klar benannt, dass Gewalt im Kontext von Trennung und geteilter Obsorge kein Randphänomen ist, sondern Teil eines Systems, das Betroffene oft nicht schützt, sondern zusätzlich belastet.