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ÖPA: Unterstützungsfonds für Alleinerziehende ist ein wichtiges Signal – weitere Schritte sind notwendig

Pressemitteilung vom 15.05.2026

Die Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) begrüßt die geplanten finanziellen Unterstützungen für Alleinerziehende durch die Einrichtung eines Unterstützungsfonds für Familien, die keine Aussicht auf Unterhalt oder Waisenpension haben. Auch sieht sie in der Unterstützung von gewaltbetroffenen Familien einen wichtigen Beitrag. Der Fonds sei zudem ein positives Signal, dass die schwierige Situation Alleinerziehender politisch stärker wahrgenommen werde.

 

Gleichzeitig betont die ÖPA, dass die nächste Reform die Umsetzung einer Unterhaltssicherung sein muss. Damit werden auch alle Kinder, die sehr wenig und unregelmäßigen Unterhalt bekommen, erreicht. „Wir sehen den Unterstützungsfonds als wichtigen ersten Schritt. Die strukturellen Probleme von Alleinerziehenden und ihren Kindern werden dadurch jedoch nicht gelöst“, erklärt Evelyne Martin, Vorstandsvorsitzende der ÖPA. Alleinerziehende sind nach wie vor die am stärksten von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffene Familienform (Anstieg auf 46%, Statistik Austria 2025). Besonders betroffen sind Frauen und ihre Kinder, die mehr als 80 Prozent der Alleinerziehenden-Haushalte ausmachen.

 

Kritisch bewertet die ÖPA jedoch, dass Leistungen aus dem Unterstützungsfonds bei der Sozialhilfe angerechnet beziehungsweise abgezogen werden sollen. „Wenn Familien Anspruch auf diese Unterstützung haben, dann muss sie auch tatsächlich als zusätzliche Entlastung bei ihnen ankommen und nicht eine andere Leistung ersetzen“, erklärt Martin. Besonders wichtig sei außerdem, dass für betroffene Familien kein zusätzlicher bürokratischer Aufwand entsteht, ohne dass sich ihre finanzielle Situation tatsächlich verbessert.

 

Durch die starke Ausrichtung des Fonds auf Familien bzw. ihre Kinder, die keine Aussicht auf Unterhalt haben, erreichen die Unterstützungen nicht alle benachteiligten Familien. Dazu zählen unter anderem Alleinerziehende mit nur geringfügigen oder unregelmäßigen Unterhaltszahlungen für ihre Kinder oder Personen in laufenden Unterhaltsverfahren. „Auch andere von Armut betroffene Familien werden höchstwahrscheinlich nicht erreicht. Deshalb ist eine hoch sensible und verantwortungsvolle öffentliche Kommunikation wichtig, um keine falschen Erwartungen zu wecken“, betont Evelyne Martin. Der Unterstützungsfonds darf nicht als umfassende Unterhaltssicherung dargestellt werden.

Strukturelle Maßnahmen dringend notwendig

Darüber hinaus fordert die ÖPA weiterhin einen umfassenden Ausbau sozialer Dienstleistungen und Sachleistungen für alle von Armut Betroffenen. Aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl an unterstützten Kindern sei keine spürbare gesellschaftliche Wirkung auf Kinderarmut zu erwarten. Gleichzeitig besteht die Gefahr von Neiddebatten und einer Stigmatisierung von Alleinerziehenden als „Sozialleistungsbeziehende“. Die strukturellen Ursachen von Armut müssen in den Mittelpunkt gerückt werden. Abschließend hält Evelyne Martin fest: „Wir glauben, dass sich mit Mut und dem Willen, an Problemlösungen zu arbeiten, Lösungen für Alleinerziehende und ihre Kinder finden lassen, auch und gerade in Zeiten eines knappen Staatshaushalts.“

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Wenn Alleinerziehende ungleich behandelt werden, zeigen wir das auf.

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