© Vitaly Gariev, unsplash

Wie Sie Ihre Kinder unterstützen können

Stabilität und Sicherheit für Ihre Kinder

Kinder können sehr unterschiedlich auf die Trennung/Scheidung ihrer Eltern reagieren. Häufig fühlen sich Kinder nach einer Trennung/Scheidung schuldig und geraten in Loyalitätskonflikte. Ein Loyalitätskonflikt tritt auf, wenn sich Kinder zwischen ihren Eltern hin- und hergerissen fühlen und das Gefühl haben, sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen und dadurch den anderen Elternteil verletzen bzw. enttäuschen. Helfen Sie Ihren Kindern und geben Sie ihnen Stabilität und Sicherheit. Folgende Punkte können Ihnen helfen, um Ihre Kinder zu unterstützen: 

Mit Kindern über die Trennung/Scheidung reden

● Erklären Sie den Kindern die Vorgänge der Trennung/Scheidung und achten Sie dabei auf Wörter und Sätze, die Ihre Kinder kennen. Wird über die Trennung/Scheidung geschwiegen, machen sich Kinder eigene Vorstellungen über die Gründe dafür. Diese können Kinder sehr beunruhigen, denn viele Kinder suchen die Schuld für die Trennung/Scheidung bei sich.

● Warten Sie nicht zu lange, um mit Ihren Kindern über die Trennung/Scheidung zu reden. Kinder merken schnell, dass etwas nicht stimmt oder anders ist. Das verunsichert sie.

● Wenn Sie eine Trennung/Scheidung überlegen, beziehen Sie Ihre Kinder nicht mit ein. Sagen sie es ihnen erst, wenn es entschieden ist.

● Sagen Sie Ihren Kindern, dass sie an der Trennung/Scheidung nicht schuld sind, nichts daran ändern können, ihre Eltern sie aber immer lieben werden.

● Erklären Sie die Trennung/Scheidung nicht mit „häufigen Streit“. Streit gehört zu Beziehungen dazu. Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass Sie auch bei einem Streit für sie da sind und sie nicht verlassen.

● Erzählen beide Elternteile das Gleiche über die Trennung/Scheidung, können Sie Loyalitätskonflikte bei Ihren Kindern vermeiden. Wenn das nicht funktioniert, erzählen Sie, dass unterschiedliche Sichtweisen auch nebeneinander bestehen können; dass es normal ist, verschiedene Meinungen zu haben und der andere Elternteil deshalb nicht lügt. So müssen sich Kinder nicht entscheiden, wer von den Eltern lügt und wer die Wahrheit sagt. Die eigene Meinung über die Trennung/Scheidung sollte dem anderen Elternteil gegenüber respektvoll sein.

● Achten Sie darauf, was Ihre Kinder wissen möchten. Belasten Sie sie nicht mit zu vielen Informationen über die Gründe der Trennung/Scheidung. Reden Sie lieber mit Ihren Kindern über die Fragen und Themen, die sie zur Trennung/Scheidung interessieren.

● Diese Gespräche können sehr herausfordernd sein. Sie können sich deshalb bei den zuständigen Beratungsstellen Rat holen. Die professionelle Hilfe unterstützt auch Ihre Kinder bei den Veränderungen.

Darüber reden, wie es weiter geht

● Kinder wollen wissen, was passiert, was sich in ihrem Leben verändert, und was gleich bleibt. Dazu gehört, z.B. die Veränderung des Wohnorts, welche Dinge in welchem Haushalt sind, wie viel Zeit sie mit den Eltern verbringen und was sie in dieser Zeit machen.

● Hören Sie sich die Meinungen und Wünsche Ihrer Kinder an. Ermöglichen Sie ihnen, die Zukunft in der veränderten Familie mitzugestalten.

● Ohne Ihre Kinder zu belasten, können Sie dennoch ehrlich sein und ihnen sagen, dass die Trennung auch für Sie schwierig ist. Damit leben Sie Ihren Kindern vor, dass sie unterschiedliche Gefühle empfinden dürfen.

Emotionale Unterstützung leisten

● Zeigen Kinder, keine Reaktionen, ermutigen Sie sie dazu. Sonst können sie Gefühle wie Angst, Wut, Schuld, Scham und Trauer verdrängen. Diese können sich dann auf andere Lebensbereiche verschieben.

● Öffnen sich Ihre Kinder Ihnen gegenüber nicht, suchen Sie nach einer anderen Unterstützung (z.B. Therapie, RAINBOWS-Gruppen etc.). Vielleicht entlastet es Ihre Kinder mit anderen Bezugspersonen (z.B. Freund*innen, Großeltern) zu sprechen.

● Geben Sie Ihren Kindern Zeit, um mit der neuen Situation umzugehen.

● Haben Sie Geduld mit Ihren Kindern. Halten Sie Wut, Traurigkeit, Angst und wechselnde Stimmungen aus. Zeigen Sie auch Verständnis für vorübergehende schlechte Noten.

● Zeigen Sie Ihren Kindern, dass Sie auf sich selbst achten und sich trotz des eigenen Schmerzes um sie kümmern.

● Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass Ihre Entscheidung zur Trennung/Scheidung auch für sie das Beste war. Obwohl es schmerzhaft für sie ist, aber Sie helfen Ihren Kindern und sind für sie da. So übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kinder. Sie gehen auf die Gefühle Ihrer Kinder ein und sprechen ihnen diese nicht ab.

● Durch Ihren Umgang mit der Trennung/Scheidung leben Sie Ihren Kindern vor, mit schwierigen Veränderungen und negativen Gefühlen zurechtzukommen. Sie zeigen ihnen, sich in schwierigen Situationen Unterstützung holen zu können.

Kinder von Loyalitätskonflikten entlasten

● Auch wenn Ihr Ärger über den anderen Elternteil groß ist, sprechen Sie vor Ihren Kindern nicht schlecht über ihn. Sie entwerten damit auch Ihre Kinder, denn sie identifizieren sich mit beiden Eltern. Mit Aussagen, wie „die Mama/der Papa ist schuld an der Trennung und deshalb geht es mir schlecht“ belasten Sie Ihre Kinder.

● Sagen Sie öfter, dass die Probleme, die zur Trennung/Scheidung geführt haben, nur Sie als Eltern betreffen. Daher werden Sie sich auch um die Folgen kümmern.

● Sagen Sie Ihren Kindern, dass es beide Eltern lieben darf und zu keinem halten muss. Ihre Kinder sollen sich nicht zwischen ihren beiden Eltern entscheiden müssen.

● Erzählen Ihre Kinder etwas vom anderen Elternteil, reagieren Sie neutral. Kinder sind sehr sensibel. Negative Kommentare über die anderen Eltern können sie verunsichern.

Beziehung zu den Kindern stärken

Die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern durchläuft im Laufe eines Lebens unterschiedliche Phasen. Ist sie während der Trennung/Scheidung nicht so intensiv, muss das nicht immer so bleiben. Beide Eltern können an der Beziehung zu ihren Kindern arbeiten. Beachten Sie folgende Punkte:

● Leben Sie Ihren Kindern vor, trotz Trennung/Scheidung, möglichst kooperativ und wertschätzend mit dem anderen Elternteil umzugehen.
● Verbringen Sie den Alltag mit ihnen: machen Sie Essen, helfen Sie bei Hausaufgaben und Körperpflege oder übernehmen Sie Besorgungen. Je intensiver Sie die Entwicklung Ihrer Kinder und deren Alltag begleiten, desto mehr können Sie Ihre Beziehung zu ihnen stärken.
● Oft können Eltern, die ihre Kinder weniger sehen, schwerer Grenzen setzen. Grenzen sind aber für Kinder wichtig, weil sie Sie so besser einschätzen können. Sie zeigen Ihren Kindern damit, wer Sie sind. Ihre Kinder können dann darauf vertrauen, wie Sie sich verhalten. Das gibt Kindern Sicherheit. Sie werden ehrlicher und vertrauter miteinander sein können. Dazu gehört auch, dass Ihre Kinder einmal, frustriert oder traurig sind, wenn etwas nicht erlaubt ist.
● Haben Sie Interesse am Leben und den Gedanken Ihrer Kinder. Hören Sie zu und fragen Sie nach. Fragen Sie, wie es ihnen geht.
● Beide Eltern sollen die Verantwortung für die Gesundheit, Bildung und Förderung ihrer Kinder übernehmen und sie dabei unterstützen.
● Ihre Kinder sollen weiterhin ihre sozialen Kontakte (z.B. zu Freund*innen, Verwandten) pflegen können.

Was kann ich tun, wenn meine Kinder mich nicht sehen wollen?

● Bis die Kinder 12 Jahre alt sind, sollten Sie die vereinbarte Regelung der Betreuung beibehalten. Ab der Pubertät sollen Jugendliche mitbestimmen können, wann sie welchen Elternteil sehen möchten.
● Wenn Ihre Kinder Sie nicht sehen möchten, versuchen Sie mit ihnen zu reden. Fragen Sie nach, warum sie Sie nicht sehen möchten und ob Sie etwas dagegen machen können.
● Sagen Sie Ihren Kindern, dass Sie sie vermissen und sich freuen, sie wiederzusehen.
● Üben Sie keinen Druck aus und zeigen Sie Verständnis. Bei starken Gefühlen und besonders bei Kränkungen sind wir weniger einfühlsam im Umgang mit unseren Mitmenschen.
● Beschuldigen Sie niemanden.
● Bemühen Sie sich weiterhin um den Kontakt zu Ihren Kindern.
● Versuchen Sie, mit dem anderen Elternteil zu sprechen und eine gemeinsame Lösung zu finden.
● Denken Sie darüber nach, warum Ihre Kinder Sie nicht sehen wollen.

Denken Sie darüber nach, was Sie gemacht haben könnten, warum Ihre Kinder Sie nicht sehen möchten. Folgende Fragen, Gedanken und mögliche Gründe können Ihnen helfen:

● War ich den Kindern oder dem anderen Elternteil gegenüber übergriffig oder verletzend?
● Habe ich mich meinen Kindern gegenüber gekränkt gezeigt und ihnen etwas vorgeworfen?
● Habe ich meinen Kindern vorgeworfen, dass sie auch Zeit mit dem anderen Elternteil verbringen wollen und diesen genauso gern haben?
● Möchten meine Kinder Zeit mit mir verbringen, wenn ich etwas an meinem Verhalten ändere?
● Möglicherweise verbringen Ihre Kinder gerade lieber mehr Zeit mit Freund*innen?
● Vielleicht haben Sie alles richtig gemacht und Ihre Kinder wollen Sie trotzdem nicht sehen, weil der andere Elternteil, das so möchte. Seien Sie vorsichtig bei diesem Vorwurf. Es sollte nicht Ihr erster Gedanke sein, wenn Ihre Kinder Sie nicht sehen möchten.
● Es kann auch sein, dass Kinder den Kontakt abbrechen, weil sie Sie sehr vermissen und durch den Kontakt zu Ihnen, an den Schmerz erinnert werden.
● Manchmal brechen Kinder den Kontakt auch zu einem Elternteil ab, weil sie das Gefühl haben, die Trennung so leichter verarbeiten zu können.

In der Elternberatung erhalten Sie Unterstützung bei der Suche nach den Gründen und wie Sie mit der Situation umgehen sollen.

Wenn ein Treffen zwischen minderjährigen Kindern und einem Elternteil schwierig ist und große Distanz besteht, kann es eine Besuchsbegleitung geben. So kann der Kontakt zwischen den Kindern und dem Elternteil, der nicht mit ihnen zusammenlebt, in entspannter und kindgerechter Umgebung sowie unter Beratung stattfinden. Diese Begleitung gibt es auf Anordnung des Gerichts oder der Kinder- und Jugendhilfe oder auf Wunsch beider Eltern.

Was kann ich tun, wenn ich glaube, dass der andere Elternteil keinen Kontakt zwischen mir und den Kindern möchte?

Bei Trennungen/Scheidungen sind Gefühle, wie Verletzungen, Machtverlust und Kränkung sehr herausfordernd. Wenn diese Emotionen nicht aufgearbeitet werden, können Eltern den Blick auf ihre Kinder verlieren. Die Bedürfnisse der Kinder werden nicht mehr ausreichend wahrgenommen, wenn das Gefühl entsteht, es dem anderen Elternteil heimzahlen zu wollen.
Manche Eltern sehen die Trennung/Scheidung als Weckruf und als Chance, die Beziehung zu ihren Kindern neu zu gestalten. Eltern verstehen nicht immer, warum sich der andere Elternteil nach der Trennung/Scheidung mehr für die Kinder als bisher interessiert, gerade wenn sie von diesem mehr Hilfe in der aufrechten Beziehung erwartet hätten. Dieser Elternteil kann sich bedroht fühlen. Oft hat dieser Angst, dass der andere Elternteil ihm die Kinder wegnehmen will.
Kinder werden in solchen Situationen zum Spielball der Eltern. Längerfristig kann sich das auf das psychische Wohlbefinden der Kinder auswirken.

Folgende Tipps können Ihnen helfen:

● Zuerst sollten Sie, auf den anderen Elternteil zugehen. Versuchen Sie eine gute Gesprächsbasis zu schaffen und die Situation gemeinsam zu klären.

● Holen Sie sich professionelle Unterstützung. Sie müssen diesen Umstand nicht allein bewältigen. Bei einer Beratung erhalten Sie Ratschläge, wie Sie aus einem scheinbar ausweglosen Umstand herauskommen.

● Denken Sie in Ruhe nach und überlegen Sie die nächsten Schritte.

● Zeigen Sie Ihren Kindern weiterhin Ihr Interesse.

● Wenn persönliche Treffen nicht stattfinden, schicken Sie Nachrichten (z.B. SMS, WhatsApp, Sprachnachrichten etc.).

● Wenn Sie merken, dass der Streit ums eigene Recht mit dem anderen Elternteil wichtiger geworden ist als die Bedürfnisse Ihrer Kinder, lassen Sie für eine Zeit los. Versuchen Sie mit ihnen in Kontakt zu bleiben, ohne zu drängen. Damit übernehmen Sie Verantwortung und beruhigen die Situation.

● Wenn etwas Ruhe eingekehrt ist, suchen Sie erneut den Kontakt.

● Wenn Sie tatsächlich Angst haben, dass der andere Elternteil Ihre Kinder gefährdet, kontaktieren Sie die Kinder- und Jugendhilfe, bei Vernachlässigung, Verwahrlosung sowie körperlicher und psychischer Gewalt. Zeigen Sie den anderen Elternteil bei der Kinder- und Jugendhilfe nur dann an, wenn Sie tatsächlich eine Gefährdung befürchten.

● Sollte sich der Umstand nach einiger Zeit nicht beruhigen, können Sie das Kontaktrecht, also den Kontakt zu ihren Kindern bei Gericht einfordern. Hier können Ihre Kinder im Zuge eines Verfahrens Hilfe durch einen Kinderbeistand bekommen, der Ihre Kinder altersgerecht unterstützt.

● Sprechen Sie trotz des schwierigen Umstandes vor Ihren Kindern nicht negativ über den anderen Elternteil.

Orientierung für Väter nach Trennungen und Scheidungen

Wenn Alleinerziehende ungleich behandelt werden, zeigen wir das auf.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an, um am Laufenden zu bleiben: